
Die Mönchengladbacher Künstlerin Rita Wilmesmeier und die in Odenthal
lebende Künstlerin Gisela Weyand haben beide zeitgleich an der
Düsseldorfer Kunstakademie in der Klasse von Siegfried Cremer studiert.
Beide Künstlerinnen haben im Laufe ihrer künstlerischen Tätigkeit
unabhängig voneinander auf unterschiedliche Weise den Weg in die Abstraktion
gefunden, Rita Wilmesmeier über Rastermotive und Gisela Weyand über
das Material Bienenwachs. In der aktuellen Ausstellung im [kunstraumno.10]
werden beide Künstlerinnen ihre Positionen mit neuen Arbeiten aus dem
Jahr 2007 vorstellen.
Den roten Faden in Rita Wilmesmeiers Kunst bildet das Raster, das bereits
in den frühen Arbeiten einen wichtigen Stellenwert einnahm. Dieses Raster
beinhaltet für Rita Wilmesmeier eine gesellschaftliche und politische
Aussage, die auf Normen, Ausgrenzung, mangelnde Toleranz und zwischenmenschliche
Beziehungen hinweist. Den Symbolgehalt von Gittern und Reihungen übertrug
sie auf die gegenstandslose Ebene, wodurch sich eine Sensibilisierung für
Materialien, Farben und Formen entwickelte. So entstanden Drahtgewebe, die
wie Käfige die Leinwand umschließen, Wicklungen, die das Objekt
einzwängen und Oberflächen, die durch Risse und Brüche
Verletzlichkeit suggerieren. Oft nutzt sie eine fast spröde Farbigkeit
in Weiß-, Grau-, Schwarz- und teilweise Rottönen, die aber in
den aktuellen Arbeiten der Ausstellung im [kunstraumno.10] abgelöst
werden durch Grün- und Blautöne. Gewohnte Wahrnehmungsprinzipien
werden durch wechselnde Materialien und deren oft ungewöhnliche Bearbeitung
außer Kraft gesetzt; Sehweisen durch das Spiel von Nähe und Distanz,
häufig ausgelöst durch die Umschließung der Arbeiten mit
bemaltem Drahtgewebe, in Frage gestellt. Der Bezug zu Raum und Licht wird
durch die Tiefenwirkung der Drahtgewebe hergestellt und durch die Auswahl
bestimmter, immer wieder vorkommender Farbtöne hervorgehoben. Auf diese
Weise entstehen Arbeiten von überraschender Lebendigkeit und Vielfalt.
Gisela Weyand arbeitet in erster Linie mit dem Material Bienenwachs, das
sie auf verschiedene Weise für Ihre Arbeiten nutzt. Bienenwachs wird
aufgrund seiner Oberflächenbeschaffenheit und seines besonderen, intensiven
Geruches stets mit positiven Eigenschaften verbunden. Es besitzt einen samtigen,
milchigen Glanz, der das Licht nicht kalt spiegelt, sondern sanft in sich
aufnimmt und zu speichern scheint. Gisela Weyand nutzt diese Eigenschaft
für ihre reduzierten, fast minimalistischen Arbeiten. Sie betitelt sie
selbst als "stille Arbeiten", in dem Sinne, dass sie nichts verbergen, sondern
vielmehr den Betrachter dazu bringen, sich intensiv mit diesen Arbeiten
auseinander zu setzen. Viele Arbeiten bestehen "nur" aus pigmentiertem
Bienenwachs und sind oft in Reihungen zusammengefügt. Doch sind die
einzelnen Arbeiten weit davon entfernt, gleichförmig zu wirken. Jede
Tafel besitzt eigene Qualitäten, unterscheidet sich in vielen kleinen
Nuancen von den anderen und ist doch Teil des Ganzen. Gisela Weyand interessiert
sich gerade für diese Unterschiede, die kaum merklich sind, doch aber
jeder Arbeit individuelle Züge verleihen. Andere Arbeiten fallen durch
frei gesetzte Zeichen- und Formensetzungen sowie Collagen auf, die behutsam
mit Wachs überzogen sind. Doch statt dass das Wachs die Formen durch
seine milchigen Charakter überdeckt, erhalten die Arbeiten eher eine
besondere Aura, die den Blick auf die gesetzten Zeichen und Formen eher noch
intensiviert und die Besonderheit jeder Tafel hervorhebt. |
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